Emil Schwips. Künstler.
 
 

 

 

 

Willst du meine Liebe?
— Ja, gib sie mir.
— Sie ist befleck.
— Ich nehme sie befleckt.
— Das ist doch übertrieben…
— Nein, gib sie mir.
— Sie ist infam.
— Es ist nicht weiter schlecht.
— Ich wollte noch etwas fragen…
— Ja, frag mich.
— Gehst du mit mir überall hin?
— Ja, wenn du es willst.
— Auch ins Unbehagen?
— Ja, freilich.
— Gehst du auch über Leichen?
— Ja, wenn du es mir befiehlst.
— Und wenn ich sage „Sing!“
— Ich werde singen.
— Und wenn ich sage „Lach!“
— Ich werde lachen.
— Und wenn ich sage „Spring!“
— Ich werde springen.
— Und wenn ich sage „Schlaf!“
— Ich werde schlafen.
— Was, wenn ich dich betrüge?
— Ich mach’ mir nichts daraus.
— Und wenn ich dich verspotte?
— Ich frage nicht warum.
— Wenn ich dir Leid zufüge?
— Ich halte es aus.
— Und wenn ich dir sage „Töte!“
— Ich werde es tun.
— Du willst meine Liebe?
— Ja, die will ich -
die Starke, die Schöne, die Echte!
— Du kriegst sie nicht.
— Warum nicht?!
— Ich brauche keine Knechte.
 

Stoff zum Nachdenken

In der Regel geregelte Regeln
Regulieren Register und Regen.
Ungeregelte Regeln dagegen
Sind zu träge um sich aufzuregen.
 

Jahreszeiten

Wie schön ist es, im kalten öden Winter,
Wenn alles friert und blöde wird vor Spleen,
Sich so zu fühlen wie ein edler Ritter
Den besten Cognac trinkend vorm Kamin.

Im Frühling, wenn die Vöglein selig zwitschern,
Wenn alles blüht: vom Baumstumpf bis zum Gras,
Wenn Dichter Rosen, Liebe, Mond verkitschen,
Halt’ ich den Mund und trinke Bier vom Fass.

Des schwülen Sommers Hitze macht zu schaffen,
Und es ist äußerst unvernünftig, sich
Mit Strand und Sonnencreme zu bestraffen!
Stattdessen trinke Sekt ich feierlich.

Herbst… Nächte werden länger, Tage — kürzer…
Schmutz… Regen…. Und man fühlt sich wie ein Schwein.
Da packe ich das Problemchen an den Wurzeln,
Und schenke mir den reinen Whisky ein.

 
Keine Lust

Die Sonne durchdringt die grazilen Rollläden,
Bricht ein in mein Zimmer mit strahlenden Fäden
Und kitzelt gezielt meine Augenlider,
Wieder und wieder.

Der Wecker ertönt mit erfreulicher Stimme,
Gehorsam, penibel und munter wie immer.
Der bebende Ton wird mir langsam zuwider,
Wieder und wieder.

Schluss! Ihr, Friedensstörer! Ihr solltet verstehen:
Ich hab überhaupt keine Lust aufzustehen!
Ich nehme den Wecker und schlage ihn nieder,
Wieder und wieder.
 

Zu Besuch bei Gott

Gott, ich bin zu Dir gekommen
Mit erschreckenden Symptomen:
Ich bin nicht Dein Ebenbild —
Dieses Faktum macht mich wild!

Ich bin wirr und frage laut:
Warst Du etwa schlecht gelaunt
Oder hattest Spalt im Huf
Als Du mich damals erschuf?

Ich bin hier und bitte heulend
Den Prozess zu wiederholen!
…………………………….
Gott zuckt auf und nuschelt leise:
Satan, hast du eine Meise?
 

Licht und Finsternis

Das Spiel mit Licht und Finsternis ist nicht mehr aktuell —
Industrieller Brand und Abgasen der Welt haben alles ausgelöscht.
Ab und zu scheint das Ende des Tunnels mal unsichtbar, mal dunkelhell,
Fragesteller am Strand starrt ins Leere und grellt wie ein draller Auge-Frosch.
Ich hab weder Fragen noch Antworten, stillschweigend renne ich fort
Dorthin wo der blaue Körper des Zuges den Luftraum aufschlitzt.
Schritte, Schritte… Der stille Beobachter verließ den Beobachtungsort.
Die Verwirrung der Sinne: der Zugwind blies fort seinen ganzen Besitz.
Die Räder rattern, die Erdkugel rollt sich, ich ritze die Schutzrune in die Wand.
Der strenge Bahnbeamter: Es ist nicht gestattet! — und nimmt mir das Messer aus der Hand.
Ich zeig’ ihm den Raffzahn, der verschwommener Anschein erzittert im Fensterglas.
Ein üppiger Zaun aus Rauch und Asche, Zigarren im Übermaß.
Das Rattern der Räder. Das Stöhnen des Windes. Das Flüstern der Kleider in Koffern:
Morgen wird’s südlicher. Wisst ihr, dort wohnen die Menschen mit Hundeköpfen!
Dort gibt’s keine Regeln, kein Schnee, kein Regen; dort Lüge verschmilzt sich mit Ehrlichkeit,
Dort scheinen die Lichter und keimen die Dichter — die letzten Outsider der Ewigkeit.


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—Fortsetzung folgt—


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